Was kostet der Bikepark am Feldberg?

Eine ernst gemeinte Rechnung.

Was kostet der Bikepark am Feldberg?
28. März 2015 Rene Haas

Seitdem wir mit genaueren Angaben zu Bau und Betrieb des vereinsbetriebenen Bikeparks auf dem Großen Feldberg an die Öffentlichkeit gegangen sind, kamen gerade zu den Kosten und der Finanzierung des Bikeparks einige Fragen auf. Wir wollen versuchen die Linie konsequenter Transparenz in der Planung des Projekts hier weiter fortzuführen.

Dazu ist zunächst zu sagen, dass es für gemeinnützige, auf ehrenamtlicher Arbeit aufgebaute Vereine prinzipiell immer zwei Investitionsmöglichkeiten gibt: Arbeit & Geld. Diese beiden Invesititionsmittel sind oft (aber nicht immer) austauschbar; durch ehrenamtliche Arbeit lässt sich sehr viel Geld einsparen (z.B. wenn die Vereinsmitglieder selbst Hand anlegen, anstatt einen Handwerker zu rufen), genauso kann Geld eingesetzt werden, um Arbeit zu sparen. Das Problem an der Sache: Ist weder Geld noch Arbeitskraft vorhanden, sind die Möglichkeiten sehr beschränkt, dies bitten wir beim weiterlesen des Textes im Hinterkopf zu behalten.

Der Bikepark am Großen Feldberg im Taunus.

Als sich im Frühjahr 2011 die Möglichkeit auftat, mit der Gemeinde Schmitten und den Behörden des Hochtaunuskreises über mögliche Downhill-Trainingsstrecken am Feldberg zu verhandeln, war für uns sofort klar dass wir uns diese Chance nicht entgehen lassen konnten, immerhin hatten wir Wheels over Frankfurt Radsport e.V. genau zu diesem Zweck gegründet.

»Ist weder Geld noch Arbeitskraft vorhanden, sind die Möglichkeiten sehr beschränkt«

Im Laufe der Verhandlungen wurden die Konditionen klarer, zu denen eine Genehmigung erteilt werden könnte. Dazu zählte als wichtigste Grundlage die Erstellung eines Naturschutzfachlichen Gutachtens, um sicherzustellen dass durch Bau und Betrieb der Strecken keine seltenen oder schützenswerten Arten gefährdet werden. Außerdem ergab sich durch die Verabschiedung des neuen hessischen Waldgesetzes eine neue (formal einfachere) Möglichkeit, den Streckenbau durch die Waldeigentümer zu gestatten, und zwar als „Weg mit beschränktem Nutzerkreis“. Faktisch bedeutet dies, das ein neuer Weg (=Downhillstrecke) angelegt wird, der für alle Nutzer außer den Mountainbikern gesperrt wird. Im Gegenzug zu dieser Gestattung wird eine jährliche Nutzungsgebühr an die Waldeigentümer entrichtet.

Da die Neuanlage eines Weges auch einen Eingriff in die Natur darstellt signalisierte die Untere Naturschutzbehörde dass hierfür auch eine Ausgleichsleistung vereinbart werden müsste. Wir einigten uns darauf, dass der Verein eine Waldwiese anlegt, deren Größe mit dem Flächenumfang der Downhillstrecken skaliert wird. Die Anlage einer Waldwiese bedeutet dass in dem Bereich zunächst alle Bäume und Sträucher entfernt werden, anschließend wird eine spezielle Waldwiesen-Saatmischung eingebracht und am Rand der Wiese werden Weichhölzer (wie z.B. Haselnuss oder Weide) gepflanzt. Der Hintergedanke dabei ist, dass eine durch die Weichhölzer sichtgeschützte Wiese entsteht, auf der Wild Äsen kann. Um die Kosten für diese Maßnahme zu begrenzen wurde vereinbart, dass der Verein die arbeiten, die per Hand zu erledigen sind, wie das einsähen der Wiese und das Pflanzen der Weichhölzer, selbst im Rahmen von Arbeitseinsätzen erledigt. So müssen lediglich der Maschinen- und Personaleinsatz für das Entfernen der Bäume und Sträucher sowie Saatgut und Weichholz-Stecklinge mit barer Münze bezahlt werden. Die Kosten für die Naturschutz-Ausgleichsmaßnahme müssen trotzdem mit etwa 4000.- € geschätzt werden.

Einmalige Kosten für die Streckeneinrichtung:

  • Naturschutzfachliches Gutachten: 2.625,00 €
  • Naturschutz-Ausgleichsmaßnahme: 4.000,00 € (geschätzt)
  • Verwaltungsgebühren Naturschutz-Genehmigung: 795,00 €
  • Bodenchemische Analyse f. Bauerde (2x): 400,00 €
  • Anlieferung Bauerde (2x): 2.000,00 €
  • Lagercontainer f. Bauwerkzeuge: 2.800,00 €
  • Ankauf Werkzeuge & Maschinenmiete: 3.000,00 €
  • Summe: 15.620,00 €

So wird deutlich dass bereits bevor der Streckenbau beginnen kann, kosten in Höhe von 7.420 € anfallen. Rechnet man dazu noch die Kosten für Bauwerkzeuge, Material (Bauerde) und einen Container zur Lagerung der Werkzeuge an der Strecke, so kommen für die Einrichtung der Strecken Baukosten von ca. 15.000 € zusammen. Die bei dieser Rechnung angesetzten Kosten für die einzelnen Posten liegen jeweils schon am unteren Ende der Skala, da wir versuchen soweit es geht nach dem eingangs beschrieben Prinzip externe Kosten durch eigenen Arbeitseinsatz zu vermeiden. Beispiele hierfür sind die eigene Erstellung der erforderlichen Erproben und Anlieferung der Erde durch Vereinsmitglieder, die in diesen Bereichen tätig sind. Würden wir ein Privatunternehmen mit der Arbeit für diese beiden Posten beauftragen, müssten wir allein dafür über 12.000 € anstelle der veranschlagten 2.400€ rechnen. Und auch bei den letzten beiden Posten können wir durch Zusammenarbeit mit dem lokalen Garten- und Landschaftsbauer Tilburgs eine Menge Geld sparen.

Neben den einmaligen Kosten für die Einrichtung der Strecken fallen weiterhin jährliche Kosten für den Unterhalt der Strecken an. Diese ergeben sich zum Teil aus behördlichen Vorgaben, wie der Baumschau (eine Sicherheitsüberprüfung, die Unfälle durch Astbruch vermeiden soll) oder den Nutzungsgebühren, und zum Teil aus Instandhaltungskosten wie der Beschaffung von Werkzeug und Baumaterial. Hinzu kommen die Kosten für die Versicherung der beiden Strecken. In Summe schätzen wir die jährlichen Kosten auf etwa 5.000 €.

Jährliche Kosten für den Unterhalt:

  • Nutzungsgebühr (Gemeinde Schmitten): 425,00 €
  • Nutzungsgebühr (Hessen-Forst): 425,00 €
  • Versicherung: 1.000,00 € (geschätzt)
  • Bodenchemische Analyse (Erde für Instandhaltung): 200,00 €
  • Anlieferung (Erde für Instandhaltung): 1.000,00 €
  • Instandhaltung Werkzeuge/Maschinenmiete: 1.000,00 €
  • Baumschau: 1.000,00 €
  • Summe: 5.050,00 €

Wir haben verschiedene Quellen für finanzielle Unterstützung geprüft. Wie bereits angesprochen wird die Downhillstrecke als „Weg“ über einen Gestattungsvertrag mit je zwei Jahren Laufzeit genehmigt. Daraus ergibt sich, dass eine Förderung über die reguläre Sportstättenförderung der Sportverbände oder Kommunen nicht möglich ist. Eine Grundvoraussetzung für den Erhalt von Mitteln aus der Sportstättenförderung ist die Nachhaltigkeit, die Sportstätten müssen mindestens 10 bzw. 25 Jahre bestehen, was durch die begrenzte Laufzeit des Gestattungsvertrags nicht gegeben ist. Eine Genehmigung als „Sportgelände“ kam nicht in Frage, da hierzu z.B. auch entsprechende Einrichtungen für Zuschauer (Tribünen, Toiletten, etc.) vorgesehen werden müssen, was im Wald undenkbar ist.

Ein wichtiger Teil des Finanzierungskonzepts beruht auf Spenden von privaten Unterstützern. Bis zum heutigen Tage sind nach unseren Spendenaufrufen 3.300 € bei uns eingegangen. Der größte Teil, 3.000 € hiervon kamen direkt aus dem Vorstand von Wheels over Frankfurt Radsport e.V.

»Über 90% aller Spenden kamen direkt aus dem Vereinsvorstand von Wheels over Frankfurt Radsport e.V. Eine vollständige Finanzierung über Spenden und Sponsorings ist nach den bisherigen Erfahrungen nicht realistisch.«

Neben den privaten Spenden suchen wir explizit nach Sponsoren. Bisher konnte hier HIBIKE als Hauptsponsor gewonnen werden. Die Sponsorensuche war lange schwierig, da die Genehmigung nicht erteilt und damit das Projekt immer noch sehr unkonkret war. Als Gegenleistung trägt u.A. der Bikepark in Zukunft den Namen „Wheels over Frankfurt Bikepark Großer Feldberg powered by HIBIKE“ und wir arbeiten mit HIBIKE bei Veranstaltungen zusammen. Das Sponsoring deckt jedoch nur einen Teil der Einrichtungs- und laufenden Kosten ab.

Die Mitgliedsbeiträge von 60 € (reguläres Mitglied) bzw. 50 € (Schüler, Studenten, etc.) decken die Verwaltungskosten des Vereins. Hierzu zählen vor allem die Beiträge bei den Sportverbänden. Über diese Beiträge ist auch ein Teil der Versicherungen abgedeckt. Hinzu kommen die Kosten für Porto, Werbemittel, Lizenzen und Anderes. Alles was davon übrig bleibt fließt zukünftig in den Erhalt des Bikeparks.

»Die Mitgliedsbeiträge decken vor allem die Verwaltungskosten des Vereins und die Beiträge bei den Sportverbänden.«

Zum Zeitpunkt der Einreichung des Antrags auf naturschutzrechtliche Genehmigung für den Bau und Betrieb des Bikeparks hatte Wheels over Frankfurt Radsport e.V. ca. 35 Mitglieder. Externe Geldgeber wie Sponsoren oder Spender gab es nicht.

Wie zu Beginn erläutert gibt es zwei Möglichkeiten für einen Verein zu investieren, über Arbeitskraft oder über finanzielle Mittel. Zum Zeitpunkt der Antragsstellung zur Genehmigung des Bikeparks war weder das eine noch das andere vorhanden, was bedeutete das die Frage: „Wie können wir uns das leisten?“ gestellt werden musste. Die Frage „wollen wir uns das leisten?“ war überflüssig.

»Alle Gewinne fließen zukünftig in die Pflege und den Erhalt der Strecken.«

Wir haben beschlossen, dass Arbeit und finanzieller Aufwand für den den Bikepark in Zukunft von den Nutzern getragen werden müssen. Eine vollständige Finanzierung über Spenden und Sponsorings ist nach den bisherigen Erfahrungen nicht realistisch. Eine Öffnung des Bikeparks zur kostenfreien Nutzung für alle macht es uns als für das Projekt Verantwortliche extrem schwierig, genügend Arbeitskräfte für die Streckenbauarbeiten zu akquirieren, damit droht der Bau unkoordiniert zu werden. In unsern Augen ist dies, gerade vor dem Hintergrund der Prestigeträchtigkeit des Projekts, zu riskant. Wir haben uns daher entschlossen, den Bikepark für Vereinsmitglieder kostenfrei zur Verfügung zu stellen, wobei sich Vereinsmitglieder zur Ableistung von Arbeitsstunden, z.B. bei der Streckenpflege, verpflichten. Alle Nichtmitglieder können sich an den Kosten für den Bikepark beteiligen, indem Sie Tageskarten erwerben.

»Zur Zeitpunkt der Antragstellung existierten weder externe Geldgeber, Sponsoren oder anderweitige Spender.«

Uns ist bewusst, dass dies regionenübergreifend bedeutet, dass man entweder in vielen Vereinen Mitglied sein, oder Tageskarten kaufen muss, wenn man auf den Strecken eines anderen Vereins fahren möchte. Wir sind daher sehr stark an einer Kooperation mit anderen Vereinen interessiert und werden in dieser Sache auch die Federführung in der Organisation übernehmen, um eine gegenseitige Nutzung zu ermöglichen. Dabei muss klar sein, dass es auch einen entsprechenden Ausgleich geben muss, wenn Mitgliederstarke Vereine die Strecken von kleinen Vereinen nutzen wollen, denn sonst bluten die kleinen Vereine aus und die legalen Downhill-, Freeride- und Endurostrecken sterben nach und nach wieder ab. Und das kann keiner, der ernsthaft an diesem Sport interessiert ist wollen.

4 Kommentare

  1. Stefan 3 Jahren vor

    Hallo, habe gehört, es könnte auch eine Sommerrodelbahn mit Lift und kommerzieller Downhillstrecke kommen. Das fände ich weniger charmant. Wer einmal an so einem Hotspot war und den Trubel dort erlebt hat weiss wovon ich spreche. Ist das nur ein Gerücht? Betreiber soll dieser Wiegland sein. Es gäbe schon Planungen.

    • Johannes 3 Jahren vor

      Hallo Stefan,
      die Sommerrodelbahn ist laut unserem Kenntnisstand zumindest am Standort Nordhang vom Tisch. Es gibt alternative Planungen zu einer Sommerrodelbahn am Windegg, jedoch sind hier die ungeklärten Fragen (v.a. Kosten für Erschließung) so schwerwiegend, dass das Projekt im Moment sehr unwahrscheinlich erscheint. Das Sommerrodelbahn-Projekt wird jedoch – unabhängig davon ob es zustande kommt oder nicht – von unserem Bikepark getrennt behandelt.
      Die Pläne für einen kommerziellen Bikepark sind seit mehr als drei Jahren passé.

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